3-Sterne-Ride

Bericht über unsere Sponsorenfahrradtour in die Ukraine

Wohnt da jemand? Nein – das kann nicht sein! Vielleicht ein Stall? Oder? Aber- da ist ein Mädchen…   ich frage nach: in dieser Hütte wohnt eine ganze Familie mit mehreren kleinen Kindern!

Ich bin geschockt – wer möchte hier aufwachsen? Welche Chancen haben diese Kinder? Ohne Schule – ohne Eltern, die sich kümmern (Väter: mehrere, Mutter:  trinkt) ohne Halt????

Mir wird bewusst, welch Gnade es ist, dass ich hier in Deutschland in doch recht geordneten Verhältnissen aufwachsen durfte und das auch meinen eigenen Kindern bieten kann. Aber mir ist auch klar, dass diese Kinder absolut nichts an ihrem eigenen Schicksal rütteln können – sie brauchen Hilfe von außen.

Gott hat mein Herz berührt und mir war schnell klar, dass ich hier helfen möchte. Dann stellte sich die Frage WIE? Wenn die häusliche Situation nicht mehr tragbar ist, kommen auch in der Ukraine die betroffenen Kinder ins Kinderheim – Massenkinderheime. Die Umstände dort sind noch immer so schlecht, dass sie dort meist als beziehungsunfähige junge Leute entlassen werden. Schon nach kurzer Zeit landen die meisten Absolventen auf der Straße, in Gefängnissen, der Drogenszene oder der Prostitution. Ein erheblicher Anteil nimmt sich das Leben. „Das kann auch keine Lösung sein!“ Dann erfuhr ich von der ARCHE, einem Familienkinderheim. Das heißt dass eine Art Pflegefamilie bis zu 10 Kinder in ihre eigene Familie aufnehmen kann. Diese Idee hat mir gefallen. In familiären Strukturen ist Heilung möglich und es bleibt noch genug Zeit für persönliche Zuwendung. Doch die Sache hatte noch einen Haken. Häuser für so viele Personen stehen in der Ukraine nicht schon einfach fertig herum. So musste gebaut werden und damit alle Platz haben noch ein Altbau saniert werden. Der Neubau ist schon bezugsfertig und die Familie bereits eingezogen. Die Altbausanierung wollten wir mit unserer Aktion unterstützen.

 

Und das ging so:

Jeder machte sich auf den Weg, möglichst viele Sponsoren zu suchen, die einen Betrag  pro geradelten Kilometer oder einen Festbetrag versprachen. Am 27.08. ging’s dann in Deggendorf  los. 19 Radfahrer von 6 bis 65 Jahren gingen an den Start. Begleitet von zwei Versorgungsfahrzeugen legten wir durchschnittlich 120km pro Tag zurück. Übernachtet haben wir auf Campingplätzen. Bis Bratislava folgten wir sehr guten Fahrradwegen entlang der Donau. Dann ging es ab Sarud an der ungarischen Theiß weiter. Die Fahrradwege wurden seltener aber die Nebenstrecken waren wenig befahren und stellten daher auch keine große Gefahr dar. Die letzte Nacht verbrachten wir dann schon direkt vor der ukrainischen Grenze bei Lonya.

Auf der gesamten Reise durften wir Gottes Gnade immer wieder erleben. Er bewahrte uns vor ernst zu nehmenden Unfällen (es gab nur ein paar kleinere Schürfwunden) und Fahrradpannen (es waren nur 4 kleine Löcher zu behandeln und immer zu passenden Zeiten) er schenkte uns Sonnenschein, wenn Regen angesagt war, ließ das Regnen aufhören, wenn die Zelte zum Aufstellen waren, schenkte uns liebe Leute, die leckerstes Essen für uns kochten, weil wir schon müde waren, einen Platz am See, weil die Kinder endlich mal Zeit zum Baden wollten und ganz liebe Campingplatzbesitzer vor Lonya, die von der Aktion so begeistert waren, dass wir keinerlei Gebühren für Platz, Wasser und Strom zahlen mussten.

Am 9. Tag fuhren wir dann über die Grenze. Die öffentlichen Straßen wurden teils schlechter, wie die Radwege zuvor. Aber mit ukrainischem Begleitschutz  war das auch nicht weiter schlimm. Und die  Mountainbiker unter uns kamen so  auch endlich auf ihre Kosten. In manchen Dörfern liefen ganze Gruppen von Zigeunern an die Straße, um uns zu zujubeln. Und in Rakoschino, am Ziel, durften wir mit einer niedergelassenen Gemeinde einen gemeinsamen Dankgottesdienst feiern.

Suppenküche

 

Wir durften miterleben, wie in der Suppenküche im Zigeunerviertel das Essen verteilt wurde und besuchten noch eine Tagesstätte für behinderte Kinder. Auch dieses Projekt ist ein Geschenk Gottes. Kinder, die noch vor ein paar Jahren unbeachtet in Nebenzimmern oder gar Kellern hausen mussten, erleben dort Liebe und Wertschätzung, dürfen sich einbringen und werden gebraucht. Ich bin fasziniert und überwältigt, wie sich die Kinder in den vergangen 6 Jahren entwickelt haben.

Bei einer Pressekonferenz bekamen wir sogar die Gelegenheit in der Öffentlichkeit auf die problematische Situation der Kinder in den Massenkinderheimen hinzuweisen.

Nebenbei hatten wir eine echt super Gemeinschaft, jeden Tag intensivste Erlebnisse mit Gott und 11 Tage nur frische Luft. Ganz spektakulär war auch noch unsere Rückreise. Ein paar Maffiosis ließen nur die Autos an der Grenze vorwärts kommen, die auch dafür bezahlten. Es dauerte Stunden, bis wir durch waren. Dann erlebten wir, dass Gott gerade im rechten Moment einen jungen Zollbeamten hinzukommen ließ, der sich, scheinbar selbst Christ, dafür einsetzte, dass wir nicht, wie gefordert das gesamte Gepäck für 19 Leute samt Isomatten, Schlafsack und Rad auspacken mussten (das hätte mit Sicherheit 2-3 Stunden gedauert). Da Ungarn EU-Außengrenze ist, wird hier sehr genau kontrolliert und diese Gepäckkontrolle gehört zum Standard – Autos zerlegen zur Routine. Aber dank dem jungen Grenzer haben wir gar nichts ausgepackt und es wurde nichts zerlegt.

Ein Teil unserer Gruppe musste mit dem Zug zurück reisen. Unsere ukrainischen Freunde wollten diese Leute mit zwei Autos über die Grenze zum Bahnhof bringen. Das Problem war nur, dass auch sie nicht weiter kamen aber der Zug ja nicht warten kann. Zu Fuß über die Grenze wurde nicht gestattet – und der lange nächtliche Fußweg hätte wohl auch den 6-jährigen überfordert. Dann zeichnete sich eine andere Lösung ab: zwei wildfremde Ukrainer, die in der Abfertigungsschlange schon ganz vorne waren, erklärten sich bereit, die Gruppe mit über die Grenze zu nehmen und dann zum Bahnhof zu fahren. Diese, für beide Seiten echt riskante Aktion war also in diesem Ausnahmefall Gottes Plan, damit die Gruppe rechtzeitig zum Bahnhof kommt.

Ich weiß gar nicht, wofür ich Gott am Meisten danken soll – die intensiven Erlebnisse mit ihm, dass wir alle gemeinsam fast 15.000 unfallfreie km schafften – 8 Teilnehmer radelten die gesamte Strecke von 950km durch- dass wir durch die Aktion über 26.000€ für die Altbausanierung „erradelten“, für die super Gemeinschaft oder für SEINEN Schutz, Bewahrung und Gnade, die vielen Helfer,  Beter und Sponsoren und die vielen Situationen, in denen wir Zeugnis geben konnten. Auf der gesamten Strecke haben wir nur freundliche, hilfsbereite und wohlwollende Menschen erlebt. Das konnten nicht wir machen – das hat Gott für uns gemacht.

Liebst du auch so eine Mischung aus Abenteuer, Sport und Gutes tun? Dann hast du echt was verpasst. Der Spruch: „Geben ist seliger denn nehmen!“ ist uns sehr lebendig geworden und wir alle sind uns sicher, dass es die Wahrheit ist. Wir haben viel gegeben – auch körperlich – aber wir sind noch viel reicher beschenkt worden!!!

Wolfgang, Natalja, Sepp, Winfried, Michaela, Regina, Astrid, Hajo, Sam, Jarina, David S., Jakob J., Jakob W., Victoria, Abigail, Annika, Georgios, David W. und Johannes

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